empiriecom people: Reden darf gelernt sein!

04. Dez 2019
Michaela Ulrich

Lesezeit: 3,5 Minuten

Azubi Kai

Seit etwa zwei Monaten kann sich unser Auszubildender Kai für ein neues Hobby begeistern: das Debattieren! Was im ersten Moment ziemlich nach Streber-Hobby klingt, fördert tatsächlich einige Fähigkeiten, die auch im Berufsleben von Vorteil sind.

Hätte ihn nicht eine Bekannte einfach mal mit zu einem der wöchentlichen Treffen ihres Debattierclubs genommen, wäre Kai von selbst wohl eher weniger auf die Idee gekommen.
Doch später im Job und auch jetzt schon in der Ausbildung kommt er nicht um die ein oder andere Präsentation herum. Um dabei einen guten Eindruck zu hinterlassen und die Situation, vor einem größeren Publikum zu sprechen, zu meistern, schadet ein bisschen Übung sicher nicht. Warum also nicht?


Info

Bei einer Debatte melden sich (im besten Falle) zwischen 6-10 Redner freiwillig. Diese werden dann über ein Zufallsverfahren der Regierung und der Opposition zugelost. Zum Teil werden so auch die Rednerpositionen verteilt.


Stil
Die offene parlamentarische Debatte: Die Debatte wird durch den Regierungssprecher eröffnet. Dieser kann dadurch die Richtung vorgeben (ob es zum Beispiel mehr auf die finanzielle oder eher die zwischenmenschliche Ebene gehen soll).

Auf jeder Seite gibt es drei Sprecher, die in fünf bis sieben Minuten verschiedene Argumente für beziehungsweise gegen das Diskussionsthema hervorbringen. Nach den ersten vier Rednern sind die sogenannten “freien Redner” an der Reihe, die sich auf eine Seite stellen und in 3,5 Minuten Argumente aufzeigen, die ihre Entscheidung begründen. Danach darf die Gegenseite innerhalb einer Minute versuchen, die freien Redner auf ihre Seite zu holen.

Offene parlamentarische Debatte

Zum Abschluss sprechen die schließenden Redner vertretend für die Regierung und die Opposition. Diese dürfen allerdings keine eigenen Argumente mehr einbringen, sondern nur noch bereits genannte wiederholen, vertiefen und aufzeigen, warum die Argumente ihrer Seite zur Lösung des Problems führen würden.


Wenn das Thema durch den Leiter der Debatte bekannt gegeben und die Rollen vergeben wurden, bekommen die Gruppen eine Vorbereitungszeit von 15 Minuten. Beispielsweise kann diese Zeit genutzt werden, um zu brainstormen, sich im Team zu besprechen und sich auf seine Rede einzustellen.


Wichtig!

  • Die Argumente überlegt sich jeder Redner selbst, dazu darf nicht das Internet genutzt werden!

  • Die Redner vertreten häufig nicht ihre eigene Meinung, sondern müssen auch dafür argumentieren, wenn sie eigentlich dagegen sind und anders herum.

  • Es gibt noch einen weiteren Debattierstil:
    British Parliamentary Style: Vier Teams mit je zwei Rednern nehmen an der Debatte teil; zwei auf der Regierungsseite, zwei auf der Oppositionsseite. Die Debatte wird durch einen Antrag der Regierung eröffnet. Auf diesen Antrag reagiert der erste Redner des eröffnenden Teams der Opposition. Regierung und Opposition tragen ihre Pro- und Contra-Argumente vor. Zum Abschluss der Debatte fassen die letzten Redner die Debatte zusammen.

British Parliamentary Style
  • Es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern darum, Sprachkompetenzen zu erweitern und selbstsicherer aufzutreten.

Am Ende einer Debatte entscheidet der Leiter, wer die Debatte gewonnen hat.
Dazu vergibt er Punkte, die davon abhängen, wie viele Argumente von den Rednern gebracht wurden, wie umfangreich und gehaltvoll diese waren und wie dagegen argumentiert wurde.
Jeder Teilnehmer bekommt im Anschluss ein Feedback, was gut war und was er beim nächsten Mal verbessern könnte.

Bereits beim ersten Treffen blieb Kai nicht nur Zuschauer, sondern stieg direkt in die Diskussion mit ein. Seitdem ist er bei den wöchentlichen Debatten des Debattierclubs Coburg regelmäßig dabei.

Debattierclub Coburg

Das Ziel dabei? Reden!
Kai möchte die noch auftretende Anspannung, die sich bei ihm zum Beispiel durch schnelles Reden äußert, nach und nach ablegen. Besonders möchte er Wert auf freies Sprechen und die Betonung legen sowie ein Gefühl dafür erhalten, wie er bei den Zuhörern eine anhaltende Aufmerksamkeit generieren kann.

Bisher konnte er auch schon einiges mitnehmen: 

  • Blickkontakt halten, wenn er mit Personen spricht

  • Pausen einlegen, damit seine Zuhörer die Informationen verarbeiten können

  • Leben in das Erzählte zu bringen, um sein Publikum zu “fesseln"

Debatte "Sollte Programmierung im Schulunterricht eingeführt werden?"

Um seine (Sprach-)Kräfte zu messen, hat Kai sogar schon an einem Turnier teilgenommen. Zusammen mit zwei Teamkollegen bestritt er drei Debatten, in denen zum Beispiel das Thema “Sollten Richter während ihrer Ausbildungszeit drei Monate anonym ins Gefängnis gehen?” behandelt wurde. Zwar konnten die drei keinen Sieg mit nachhause nehmen, doch Kai ist trotzdem sehr zufrieden: “Wir dachten uns schon von Anfang an, dass wir nicht die Besten sein werden. Aber es war wahnsinnig spannend, angehende Richter und möglicherweise zukünftige Politiker beim Debattieren zu erleben. Das was wir dabei gelernt haben, können wir sehr gut bei unseren Debatten einsetzen!”

Debattierturnier

Du möchtest verschiedene Bereiche deiner Diskussionskompetenzen erweitern oder möchtest einfach mal hautnah erleben, wie solche Debatten aussehen beziehungsweise ablaufen? Dann setz dich in das nächste Fortbewegungsmittel deiner Wahl und komm einfach mal an einem Dienstag vorbei! Fragen wird dir Kai gerne in den Kommentaren beantworten.

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