Die "schlechte-Laune-Jahresvorschau"

11. Jan 2019
Johannes Haaf
Die "schlechte-Laune-Jahresvorschau"

Wir lieben neue Technologien, wir lieben Gadgets. Wir freuen uns wie kleine Kinder, wenn ein Kollege auf Heelys vorbei rollt (und, Hand auf’s Herz, noch mehr, wenn er über die Teppichkante stolpert und sich lang macht) und per Hand am Thermostat der Heizung drehen ist für uns geradezu mittelalterlich. Dafür haben wir doch eine App.  

Aber es ist nicht alles Gold was glänzt – oft ist es nur gebürstetes Aluminium mit schwacher Akkulaufzeit.

Darum hier ein (halb-ernst gemeinter) Ausblick auf die nervigsten und unangenehmsten Technologietrends, die uns 2019 erwarten. Für all diejenigen, die mit zu viel guter Laune in das neue Jahr gestartet sind.


Jeder will mit dir reden

Die Sprachnachricht, etwa per WhatsApp, setzte in der jüngeren Vergangenheit schon zu einem unheiligen Siegeszug an. Man sollte meinen, wer unbedingt wie ein absoluter Psychopath minutenlange Monologe in sein Smartphone sprechen möchte, könnte wenigstens Siri oder Ok-Google dazu einsetzen, das ganze direkt in eine Textnachricht transkribieren zu lassen – und es somit für den Empfänger wesentlich weniger umständlich machen. Damit nicht genug wollen plötzlich auch noch allerhand Gerätschaften im Alltag mit uns kommunizieren!

Amazon wird uns 2019 mit seiner „Alexa Everyhwere“ Initiative „beglücken“. Eine ganze Wagenladung neuer Geräte soll dem bekannten Assistenten damit zum Vorsprung vor der Google-Konkurrenz verhelfen und an noch mehr Stellen in unseren Alltag integriert werden. Kein Wort jedoch vom tatsächlichen Kundennutzen.

Deine Toilettenspülung funktioniert jetzt per Sprachfunktion, Glückwunsch.

Voice activation

Das grundlegende Problem bleibt: die Sprache ist leider keine besonders effiziente, genaue oder praktische Kommunikationsform. Für uns Menschen ist sie die beste Option angesichts unserer begrenzten biologischen Möglichkeiten. In der Kommunikation mit Maschinen könnten aber viele dieser Einschränkungen überwunden werden. Denn es zeigen sich schnell die Schwächen - und damit meine ich nicht einmal die Tatsache, dass jeder in der Umgebung die jeweilige Interaktion mithören kann, was, außerhalb der eigenen vier Wände oder des Autos, die Nützlichkeit stark einschränkt.

Dies ist vielleicht eine mögliche Erklärung für den eher rudimentären Einsatz der Smart Speaker: einfache Aufgaben wie Musik abspielen, Nachrichten vorlesen lassen, Wetter checken, machen das Gros der Nutzung aus. Das hat zumindest die Nielsen Group festgestellt

Versteckt im Hype um Smart-Assistants und sprachgesteuerte Heckenscheren ist die grundlegende Frage, wie viel omnipräsente Digitalbegleiter wir wirklich wollen oder ob wir unser Leben mit vielen technischen Gimmicks „bereichern“, schlicht weil wir es können. Das diese Entwicklung sich auch dieses Jahr fortsetzen wird, ist, so oder so, ziemlich sicher.


Jeder will deine Aufmerksamkeit 4.0: jetzt noch mehr Video in jeder Packung!

Via Snapchat werden jeden Tag 10 Milliarden Videos aufgerufen. 

ZEHN MILLIARDEN. 

Gleichzeitig liegt aber die durchschnittliche Zeit, die ein Video tatsächlich betrachtet wird (egal ob auf Snapchat, Youtube oder per Werbeeinblendung), lediglich bei rund 10 Sekunden und nur bei 12-15% aller Videos haben die Zuschauer den Ton aktiviert.

Man sollte meinen, dass Milliarden von belanglosen Videos, die tonlos für ein paar Sekunden in den Toilettenkabinen der Unternehmen dieser Welt über Smartphone-Bildschirme huschen (ihr könnt es ruhig zugeben!), nicht der wahrgewordene Traum eines jeden Werbetreibenden sein sollten. Falsch gedacht!

Video
Concert

Es versteht sich eigentlich von selbst: wer ein Konzert filmt, sollte lebenslang von allen Musikaufführungen ausgeschlossen werden. Wer seinen Low-Quality-Quatsch dann auch noch bei YouTube hochlädt, muss zur Strafe 100 Stunden Material der YouTube-"Stars" ansehen. Unterschreibt jetzt meine Petition auf change.org für eine Gesetzesänderung!

Die Budgets für Videos im Marketingmix stiegen 2018 kontinuierlich an und werden auch 2019 aller Voraussicht nach einen immer größer werdenden Teil für sich beanspruchen. Facebook und Google reiben sich die Hände, denn beide Firmen sind auf zunehmende Nutzung von Video-Ads angewiesen, um ihre Werbeeinnahmen wachsen zu lassen. 78% der Marketer planten im vergangenen Jahr, das Budget für Videos zu erhöhen. Wir können uns daher auch 2019 auf immer mehr blinkende und blitzende Video-Werbung auf allen wichtigen Portalen als Ergebnis dieser Erhöhung einstellen.

Interessant wird es beim Blick auf die Nutzung von Ad-Blockern. Wo auf Desktop Systemen schon ein Drittel der Deutschen fleißig Werbung blockieren lassen, sind die Möglichkeiten, auch Mobile auf Einblendungen zu verzichten, eher unbekannt. Zum Jahreswechsel war nun eine leichte Steigerung in der Nutzung von AdBlock-Browsern und Plugins zu verzeichnen. Eine Entwicklung, die hoffentlich anhält und die Werbetreibenden endlich zu einem Dialog mit den Konsumenten zwingt – anstatt weiter mit Gewalt zu versuchen, in den Aufmerksamkeitsbereich der Kunden einzudringen.


Jeder will dir erzählen, wie toll selbstfahrende Autos sind

Es wird auch 2019 kein wirklich selbstfahrendes Auto im Handel geben. Zumindest sagen das die Firmen, die an deren Entwicklung am stärksten beteiligt sind, relativ einstimmig. Das hält natürlich keinen davon ab, in langatmigen Blogbeiträgen (Ich weiß. Glashaus, Steine… Touché) über das Thema zu philosophieren und Meldungen zu Erfolgen/Misserfolgen immer dann auf beliebigen Tech-Seiten auszuspielen, wenn gerade nichts Interessanteres vorliegt, worüber man schreiben könnte. Dieses Jahr wird die Anzahl solcher Nicht-Informationen noch weiter steigen, im gleichen Maß, wie auch Erwartung und Vorfreude der Autofahrer immer weiter steigt. Denn, mal ehrlich: die Vorstellung, auf dem Weg zur Arbeit im Auto einfach noch ein Ründchen schlafen zu können, ist keine schlechte.


Jeder wird den Kopf schütteln, wenn du von deiner Virtual Reality Brille erzählst

Ja, wir wissen, dass es Spaß macht. Ja, es ist möglicherweise die Zukunft des Medienkonsums. Trotzdem hat niemand Lust, sich eine (immer noch) obszön teure VR-Brille anzuschaffen, um sich dann am begrenzten Angebot zu langweilen oder mit etwas Pech seekrank in der eigenen Wohnung zu sitzen. Also bitte, sucht euch ein anderes Thema, mit dem ihr eurem Freundeskreis einen Knopf an die Backe quatschen könnt.

Das breite Kundeninteresse fehlt einfach (noch?), insbesondere im Vergleich mit AR Anwendungen. Zwar besteht für Virtual Reality kaum die gleiche Gefahr wie bei anderen Produkten, bei denen in der Vergangenheit der Markt eine objektiv bessere Technologie verschmäht und zum Scheitern gebracht hat (Ruhe in Frieden mein geliebtes Blackberry 10 Smartphone-Betriebssystem), aber 2019 wird wohl auch umgekehrt nicht „das große VR-Jahr“.

VR

Natürlich ließe sich diese Liste noch lange weiterführen, aber wir wollen die Stimmung nicht schon im Januar zu sehr drücken!

Du hast noch weitere Technologien, auf die du im neuen Jahr lieber verzichten würdest? Oder hoffst du auf den Erfolg eines speziellen Themas? Erzähle es uns!

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